England & Wales

Diese Reise habe ich auch verfilmt. Informationen dazu finden Sie hier.

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Auf meiner insgesamt neunwöchigen Radtour habe ich für ein Fahrradportal und auf meiner Facebookseite Reiseberichte geschrieben. In der ersten Woche bin ich insgesamt rund 400 Kilometer durch Belgien bis zum Fährhafen Zeebrugge gefahren. Die England und Wales-Tour habe ich ab Nordengland im Wochenüberblick dargestellt.

1. Woche

Während ich dies schreibe, sitze ich vor dem Zelt. Über mir ein strahlendblauer Himmel mit Schönwetterwolken; die Vögel zwitschern und gelegentlich höre ich Stimmen von Engländer auf dem Campingplatz. Dies ist nur eine Momentaufnahme von vielen, die ich bereits erlebt habe. Hierzu gehören auch anstrengende, lange Tagestouren, Regen, starker Wind; aber auch viele nette Begegnungen mit Belgiern, Niederländern und Engländern. Nach zwei Wochen Fahrradtour befinde mich jetzt auf einem Campingplatz rund acht Kilometer von York entfernt. Die erste Woche musste ich 390 Kilometer fahren, um den belgischen Fährhafen in Zeebrügge zu erreichen. Nach Ankunft im englischen Hull, im Nordosten von England, fuhr ich weiter bis hierin. Der Name der Hauptstadt des County North Yorkshire fehlt in keinem Englandreiseführer, da die Stadt ein wahres Schmuckstück ist.

Die Ursprünge der Siedlung, die am Fluss Ouse liegt, gehen bis in die römischen Zeit zurück. Im Mittelalter war York eine wichtige Handels- und Hafenstadt. Von weitem her sieht man schon die mächtigen Türme des Minster of York. Diese eindrucksvolle Kathedrale ist eine der größten des Landes.

 

2. Woche

Folgende wichtige Nachrichten werden auf der zweiten Seite einer englischen Tageszeitung beschrieben: Die Queen versuchte einen Fruchteiskuchen zu durchschneiden; kraftlos hat sie das Messer in der Torte steckenlassen. Fünf Großfotos dokumentieren dieses kleine Missgeschick. Die helfende Hand kam, während der allgemeinen Belustigung, von der Gastgeberin. So hat „Queen Mum“ doch noch ihren Kuchen bekommen. Die zweite wichtige Meldung ist, dass es in Südengland einen diesjährigen Hitzerekord gab: 28 Grad. Hier im Norden ist es seit über einer Woche ebenso warm und trocken. Es gab viele durchgehende Sonnentage mit mehr als 23 Grad Wärme. Selbst bei einer Wolkendecke sinkt das Thermometer auf noch angenehme 15 Grad. Also optimales Wetter zum Radfahren. Von York bin ich Richtung Westen in die Penniens hineingefahren. Diese traumhafte Region ist das Mittelgebirge Englands, das sich von Süd nach Nord erstreckt. Die Straßen sind hier direkt der Topografie angepasst und stark wellig. Öfters steigen die Wege auf kurzer Distanz mit über 16% steil an. Der Lohn der Mühen ist eine atemberaubende, typische englische Tal- und Moorlandschaft.

 

3. Woche

Vom Yorkshire-Dale-Nationalpark bin ich weiter in die Grafschaft Lancashire gefahren, um an der englischen Westküste bis nach Liverpool zu gelangen. Mit jedem Kilometer wird die Landschaft weitläufiger, flacher und dichter besiedelt. Auf dieser Seite der Penniens hat sich eine Kulturlandschaft entwickelt, die dem Ruhrgebiet in Deutschland ähnelt. Die Kohlevorkommen dort waren damals enorm und es entwickelten sich in vormals ländlichen Gebieten in Kürze riesige Stadtgebiete. Sieht man heute auf eine englische Landkarte, dann erkennt man hier nur wenig freie Fläche zwischen den einzelnen Stadtgebieten; sie sind wie ineinander gewachsen. An der Flussmündung des Merseyrivers liegt Liverpool. Ich habe mich für ein paar Tage in einem Hotel einquartiert, um die Stadt zu erkunden. Liverpool hat sehr viel zu bieten, sie ist eine „junge Stadt“, da hier auch viele Studenten leben. Viele Menschen verbinden mit Liverpool auch die berühmten „Pilzköpfe“, die Beatles. Die Merseyfähre, die stündlich eine Rundtour über den Fluss dreht, wurde in den 1960ger Jahren durch ein weltbekanntes Lied von Gerry Marsden verewigt.

 

4. Woche

Hinter der englischen Stadt Chester rolle ich über die Grenze nach Wales hinein. Ein Schild verkündet: „Welcome in Wales“. In Wales fahre ich auf dem gut ausgeschilderten Fernradweg Nr. 5, der direkt an der Küste entlang führt. Die Strecke ist flach und wunderschön. Durchgehend habe ich einen Blick auf das Meer; ich höre die Wellen während eine leichte Brise weht und vom strahlendblauen Himmel die Sonne scheint. Die Temperatur liegt bei angenehmen 20 Grad. Mein Etappenziel ist die Stadt Cowny. Die Stadt ist für ihre sehr gut erhaltene Burganlage und Stadtmauer bekannt. Während ich dort Filmaufnahmen mache, fragt ein freundlich aussehender Waliser, ob ich schon gute Aufnahmen gemacht habe. Ich bejahe mit einer grüßenden Kopfbewegung und einem Lachen. Er lächelt auch und während er mir anerkennend auf die Schulter klopft, fragt er woher ich denn komme. Ich antworte „Germany“. Sein Lachen wird noch breiter und sein Klopfen fester. Er wünscht mir alles Gute und geht. Solche kurzen Begegnungen erfahre ich regelmäßig. Die Menschen hier freuen sich, dass andere Menschen sich für ihr Land interessieren und dies bereisen.

 

5.Woche

Von Caernafon aus verlasse ich die Küste und fahre für zwei Tage in die walisische Bergwelt hinein. Mein Weg führt mich in den Snowdonia-Nationalpark. Nach einigen Kilometer gemäßigten Anstieg bin ich auf einer Ebene angelangt, die mich durch ein wunderschönes Tal führt. Rechts und links steigen die Berge hoch an; grün und braun sind die dominierenden Farben. Die Schönwetterwolken zeichnen große Schatten auf die Berghänge. Durch die Stille höre ich ein lautes Tuten und Schnaufen. Es ist eine Schmalspurbahn, die ebenfalls durch das Tal fährt. In Wales gibt es viele solcher gut erhaltenen Bahnstrecken, die Anziehungspunkt für viele Interessierte aus aller Welt sind. Hier im Snowdonia-Nationalpak fahren täglich zwei Lokomotiven die eingleisige Strecke von der Nordküste zur Westküste, hin und retour. Im Bergort Beddgelert ist der einzige Bahnhof der Strecke, wo es zwei Schienengleise gibt. Hier begegnen sich beide Loks mehrmals täglich bei ihrem Halt. Nach einigen Minuten Ein-und Umsteigen, Begrüßen und Verabschieden tuten beide Züge zur Weiterfahrt. Schnaufend bewegen sich beide zügig in entgegengesetzte Richtungen. Noch lange hört man die Geräusche der Lokomotiven, die durch die Bergwelt fahren.

6. Woche

Entlang der walisischen Westküste fahre ich immer weiter in Richtung Süden. An Sonnentagen wird es hier bis über 30 Grad warm. Entlang der Meereslinie reiht sich ein Badeort nach dem anderen. Hier verbringen Waliser und Engländer ihren Urlaub. In der Kleinstadt Aberyswyth erhole ich mich für einen Tag, bevor ich weiter in Richtung Ostwales fahre. Hierfür muss ich die Cambrian-Mountains überqueren. Der nächste Fahrtag beginnt mit regnerischen Wetter. Ich nehme Steigung um Steigung, um dann von einem Tal ins nächste hinabzufahren. Irgendwann befinde ich mich weit im Gebirge auf einer schmalen Bergstraße. Das Panorama ist eindrucksvoll und ich bin fast alleine unterwegs. Mittlerweile fliegen Schönwetterwolken am Himmel vorbei, die Straße schlängelt sich am Berg entlang und in der Talsohle rauscht ein Wildbach. Dies ist mein bisher schwierigster Fahrtag gewesen. Ich habe 1000 Höhenmeter auf einer Länge von 55 Kilometer überwunden. In Ostwales angekommen werde ich die nächsten Tage weiter nach Südengland fahren.

7. Woche

In Südengland angekommen fahre ich bis nach Bath. Die Stadt gehört zum Weltkulturerbe und wurde schon von den Römer, wegen ihrer Bäder, geschätzt. Von Bath aus rolle ich zuerst auf dem ausgeschilderten Radweg entlang des Avon-Kanals. Immer wieder schippern Schmalboote auf dem Kanal an mir vorbei. Der geschotterte Fahrradweg ist gut befahrbar und ich folge der Wasserstraße bis zur Stadt Devizes, wo ich den Schiffskanal verlasse. Mein Weg führt mich weiter nach Stonehenge. Am nächsten Morgen bin ich schon um neun Uhr am dortigen Besucherzentrum, um nicht in den Haupttrubel zu gelangen. Die weltweit bekannte Kultstätte gehört für viele Touristen einfach zu einem Englandbesuch dazu. Ein Shuttlebus fährt mich bis in Sichtweite zu den Steinkreisen. Während ich mir den Steinkreis und die Umgebung anschaue, fällt ein leichter Landregen nieder. Vor dem dunklen Wolkenhintergrund, inmitten einer geschwungenen Landschaft mit riesigen Getreidefeldern wirken die tonnenschweren Steine immer noch mystisch.

8. Woche

Auf dem Weg von Stonhenge nach Dover musste ich in meiner letzten Reisewoche noch rund 400 Kilometer durch Südengland zurücklegen. Die Tagesfahrten waren durch das ständige auf- und ab der hügeligen Landschaft sehr anstrengend. Um schnell voran zu kommen, nahm ich die Hauptverkehrsstraßen. Die Alternative wären kleine Nebenstrecken mit riesigen Umwegen gewesen. Von der Verkehrsdichte sind hier in Südengland selbst die kleineren Nebenstrecken oft stark befahren. Die meisten Straßen- auch die Hauptstraßen- haben in England meist keinen Seitenstreifen. Der Stress ist dann schon vorprogrammiert; es kommt hierdurch sehr oft zu gefährlichen Überholmanövern von schnellfahrenden PKWs und LKWs. Diese Woche möchte ich nicht noch einmal erleben; ich war froh als ich in Dover ankam. Auf der Fähre nach Frankreich nahm ich dann Abschied von der Insel. Die Kalkfelsen wurden immer kleiner und irgendwann wurden sie vom Horizont „verschluckt“.