Norwegen

(Zum Vergrößern auf ein Foto klicken.)

 

 

Meine erste Radreise machte ich 1991. Ich fuhr von Mitte Dänemark aus nach Südnorwegen und wieder zurück. Mein Reiserad war ein umgebautes Mountainbike. Zur damaligen Zeit gab es noch nicht so viele Mountainbikes; sie wurden aber schnell beliebt und breiteten sich immer mehr aus. Reiseräder gab es so gut wie gar nicht; höchstens als Einzelanfertigung in kleinen Rahmenschmiede. Also musste man die Radmodelle, die auf dem Markt waren, umbauen.

Dementsprechend sah es Anfang der 1990ger Jahren auch mit stabilen Gebäckträgern und robusten Fahrradtaschen aus. Die wenigsten Fahrradgeschäfte hatten solche Nischenprodukte in ihrem Angebot. Selbst die heute sehr bekannten und weit verbreiteten wasserdichten Ortliebtaschen führten nur wenige Geschäfte. Es waren die Anfänge der bekannten Marke. Auf meinem Rad hatte ich auf meiner Norwegentour insgesamt vier Ortliebtaschen – zwei vorne und zwei hinten. Damit war man damals sehr gut ausgestattet und auffällig unterwegs. Immer wieder wurde ich während meiner ersten Radreisen darauf angesprochen, besonders von englischsprachigen Radreisenden. Die Ortliebtaschen konnte man zuerst nur in Deutschland kaufen und nicht im Ausland bestellen.

Ein großer Teil meiner Outdoorausrüstung war von Verwandten und Bekannten ausgeliehen und bunt zusammen gewürfelt. Darunter ein kiloschweres Baumwollzelt mit Eisenzeltstangen und ein viel zu schwacher Campingkocher, denn ich nicht richtig nutzen konnte. Die Nudeln oder der Reis wurden nie richtig weich beziehungsweise der Tee nur lauwarm. Nachts schlief ich auf einer einfachen Luftmatratze, die langsam die Luft verlor, sodass ich diese regelmäßig nachfüllen musste.

Dies alles war aber nicht so schlimm, denn ich war autark und alleine unterwegs. Ich merkte während der Reise schnell, wie sich mit jedem Kilometer eine innere Ruhe und Entspannung einstellte und man mit wenig zufrieden ist. Ich erlebte die Natur auf ganz besondere Weise und erfuhr im wahrsten Sinne die Landschaften mit meinem Reiserad.

Nach zwei Wochen war ich dann wieder an meinem Startpunkt angelangt. Für mich war klar, dass dies nicht meine letzte Radreise sein sollte. Der Radreisevirus hatte mich erfasst.